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Disbu-Wohlfühltage im Hunsrück

Schinderhannes, Jammereiche und Edelsteine
Disbu-Wohlfühltage im Hunsrück

Herrstein im Hunsrück war bei den schon traditionellen "Wohlfühltagen" des SV Disbu Ziel und Ausgangsort vom 9. bis 11. Juli. Brigitte Metscher, Gymnastik-Übungsleiterin des Sportvereins im Dicken Busch und seit vielen Jahren bewährte Organisatorin der Ausflüge und Unterkünfte, hatte ein rundum abwechslungsreiches Programm angeboten. Es bescherte den Sportlerinnen und Sportlern eine Führung zur Geschichte des Orts, der auch durch den berüchtigten Räuberhauptmann Schinderhannes eine besondere Berühmtheit erlangte, eine mehrstündige Wanderung, Besuche des ehemaligen Edelsteinbergwerks und der Weiherschleife, Rallyes mit historischen und nicht ganz ernst gemeinten Aufgaben.

Kenntnisreich verband der lokale Stadtführer die Geschichte des Orts, dessen Burg im Jahr 1279 erstmals urkundlich erwähnt wurde, mit der Entwicklung bis heute. Das ausgesprochen adrette, mit zahlreichen Rosen und anderen Blühpflanzen reichlich geschmückte Ortsbild verdankt Herrstein der großen Restaurierungskampagne in den 1970er Jahren. Damals wurden die zugeputzten oder mit Schiefer verkleideten Fachwerkhäuser des historischen Ortskerns freigelegt. Der heute mittelalterlich wirkende Marktflecken feierte eine sehenswerte Wiedergeburt. Herausragende Stationen der Stadtführung waren der Uhrturm aus dem 12. und 13. Jahrhundert, die Kirche mit bedeutenden Wandbildern und einer prächtigen Orgel, der Wehrgang und der Schinderhannesturm, in dem der Verbrecher, wie ihn der Führer jenseits aller romantischer Verklärung nannte, am 10. Juli 1798 für eine Nacht eingekerkert war, ehe er entkam.

In Herrstein beginnt und endet auch der "Mittelalterpfad", den die Besucher am zweiten Tag bei strahlend schönem Wetter in Angriff nahmen. Infotafeln am Weg durch das wellige Hügelland des Hunsrücks mit Feldern, Wiesen und Wald erklären die wechselvollen geschichtlichen Tatorte. Man erfährt, dass im nahen Dorf Niederhosenbach wahrscheinlich die Heilige Hildegard von Bingen geboren wurde und die Jammereiche ihren Namen einem Massaker im Dreißigjährigen Krieg verdankt. Heute ist dort ein aussichtsreicher Rastplatz, den auch die Disbu- Wanderer gerne nutzten.

Der dritte Tag stand im Zeichen der Gewinnung und Verarbeitung von Edelsteinen, durch die Herrstein zeitweise eine bedeutende wirtschaftliche Rolle spielte. Auswanderer aus Idar-Oberstein waren im Minenbau Brasiliens tätig und schafften in reichen Mengen regelmäßig neues Rohmaterial zur Weiterführung der Edelsteinindustrie heran. Der örtliche Bergbau hätte den Bedarf nicht decken können. 1875 wurde dann die Arbeit im Stollen auf dem Idarer Steinkaulenberg eingestellt. Nach mühsamen Rekonstruktionen, berichtet der Führer, entstand ein rund 400 Meter langer, verwinkelter Besucherstollen. Die Weiterverarbeitung sahen die Rüsselsheimer zum Abschluss der Wohlfühltage in der historischen Weiherschleife. Sie ist die letzte mit Wasserrad angetriebene Achatschleifmühle am Idarbach. An großen Sandstein-Schleifrädern demonstrierte die Fremdenführerin den Besuchern live die Verarbeitungsweisen früherer Jahrhunderte. Auch eine Disbu-Sportlerin durfte ausprobieren, wie beschwerlich die Arbeit der Schleifer war: Einen Großteil ihrer Tätigkeit mussten die Schleifer bäuchlings auf hölzernen "Schleifenkippstühlen" verrichten und mit viel Kraftaufwand die Steine an das rotierende Rad drücken.

Bilder vom Ausflug gibt es hier im Fotoalbum


Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 14.07.2019.
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